Lehren aus der Corona-Krise: Kreative Lösungen im Straßenverkehr für infektions- und verkehrssichere Mobilität

Foto: Olaf Bathke

In Zeiten der Corona-Pandemie gilt: Wir müssen uns immer wieder auf neue Situationen einstellen, bereit sein, Pläne auch wieder zu ändern und in allen gesellschaftlichen Bereichen zeigt sich: Es lohnt sich Dinge einfach mal auszuprobieren. Schöne Beispiele finden sich hier im Verkehrsbereich: In vielen Städten wurden in den vergangenen Monaten „Pop-up-Radwege“ angelegt. Durch ein paar Schilder und etwas Farbe auf der Straße wird eine PKW-Fahrspur zum Radfahrstreifen. So kann den Radfahrenden kurzfristig mehr Platz und Sicherheit geboten werden. Mehr Menschen greifen auf das Fahrrad als umweltfreundliches und infektionssicheres Verkehrsmittel zurück und lassen damit anderen mehr Platz in den Bussen. Die neu entstandenen Radwege können als Inspiration für zukünftig festangelegte Radwege gelten und so zu einem sichereren Radverkehr in Städten beitragen. Mutige Kommunen brauchen unsere Unterstützung und weniger rechtliche Hürden durch die Straßenverkehrsordnung. Daher habe ich mich für die Möglichkeit von Modellversuchen in der StVO-Novelle eingesetzt und bin der Meinung, dass wir den Kommunen insgesamt mehr Spielraum für die Gestaltung des Straßenverkehrs geben müssen. Dies ist ein wichtiger Baustein für die solidarische Verkehrswende, für die ich mich als Sozialdemokrat und Verkehrspolitiker einsetze.

In Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern merke ich immer wieder, dass viele Menschen sich einen ruhigeren Verkehr mit mehr Tempo 30 in den Städten und Gemeinden wünschen. Dann kann man auch guten Gewissens sein Kind auf dem Rad zur Schule schicken. Denn Fahrradfahren ist nicht nur eine nette und gesundheitsfördernde Freizeitaktivität, sondern auch ein natürlicher Bestandteil alltäglicher Mobilität. Gerade in der Stadt ist man mit dem Fahrrad oft einfach am schnellsten. Für mich ist das keine neue Erkenntnis, doch ich freue mich, dass in der letzten Zeit so viele Menschen das Radfahren für sich (neu) entdeckt haben und so vielleicht auch eine persönliche Lehre aus der Corona-Krise ziehen.

Von der ersten für die zweite Welle lernen: In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass wir die Gesundheit der Menschen ganzheitlich betrachten müssen und nicht allein das Risiko an Corona zu erkranken in den Blick nehmen dürfen. Um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, heißt es seit Anfang November erneut „stay at home“: Also bleibt zu Hause, schränkt eure Kontakte ein, verzichtet auf unnötiges Reisen. Dabei sollte das aber nicht zu wörtlich genommen werden! Solidarisch zu sein und andere sowie sich selbst vor einer Infektion zu schützen, bedeutet nicht, dass Bewegung an der frischen Luft von nun an verboten ist. Ganz im Gegenteil: Wir haben in Schleswig-Holstein so viel schöne Natur und das Meer vor der Haustür. Bewegung an der frischen Luft, egal ob zu Fuß, joggend oder auf dem Fahrrad, tut dem Körper und der Seele gut und stärkt erwiesenermaßen das Immunsystem. Und physische Begegnungen zu reduzieren, sollte natürlich nicht bedeuten soziale Kontakte vollkommen herunterzufahren.

Vor uns liegen keine einfachen Monate, doch wir werden die Krise gemeinsam meistern – wenn jede*r Einzelne seinen Teil dazu beiträgt und wir als Politik die richtigen Weichen stellen.

Bleibt gesund und kommt gut durch den Winter!

Mathias Stein